Ski richtig abziehen & ausbürsten | Anleitung für schnelles Gleiten
Warum dieser Arbeitsschritt über Geschwindigkeit und Gleitfähigkeit entscheidet
Viele Skifahrer investieren viel Zeit in die Auswahl des richtigen Skiwachses, schenken dem anschließenden Abziehen und Ausbürsten jedoch zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei entscheidet genau dieser Arbeitsschritt darüber, ob ein Ski sein volles Potenzial entfalten kann.
Nach dem Heißwachsen befindet sich überschüssiges Wachs auf der Belagsoberfläche und in den Strukturen des Belags. Wird dieses Wachs nicht vollständig entfernt, kann die Struktur ihre eigentliche Aufgabe nicht erfüllen.
Erst durch korrektes Abziehen und Ausbürsten werden:
- die Belagsstrukturen freigelegt
- überschüssiges Wachs entfernt
- die Wasserableitung verbessert
- die Gleitfähigkeit maximiert
- die Beschleunigung optimiert
Gerade im Rennsport kann eine sauber ausgebürstete Struktur entscheidende Zeitvorteile bringen.
Warum muss Skiwachs überhaupt entfernt werden?
Diese Frage wird häufig gestellt.
Viele Skifahrer gehen davon aus, dass möglichst viel Wachs auf dem Ski auch mehr Geschwindigkeit bedeutet.
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.
Das Wachs soll:
- in den Belag eindringen
- den Belag sättigen
- den Belag schützen
Es soll jedoch nicht als dicke Schicht auf der Oberfläche verbleiben.
Bleibt zu viel Wachs auf dem Belag zurück:
- wird die Struktur verschlossen
- kann Wasser schlechter abgeleitet werden
- steigt die Reibung
- sinkt die Geschwindigkeit
Deshalb gehört das Abziehen und Ausbürsten zu jeder professionellen Skipräparation.
Wann sollte abgezogen werden?
Nach dem Einbügeln muss das Wachs zunächst vollständig auskühlen. Je nach Produkt sollte man dem Wachs 30 bis 60 MInuten Zeit geben.
Wenn eine SKi nicht in gebruacht ist empfiehlt es sich den Ski eingewachst zu lassen.
Erst wenn das Wachs ausgehärtet ist, sollte mit dem Abziehen begonnen werden.
Das sorgt für:
- saubere Wachsentfernung
- gleichmäßige Ergebnisse
- geringeren Materialverlust
Wer zu früh beginnt, riskiert ungleichmäßige Oberflächen und schlechtere Ergebnisse.
Die richtige Ziehklinge
Für das Abziehen wird eine scharfe Plexiglas-Ziehklinge verwendet.
Eine gute Ziehklinge:
- liegt plan auf dem Belag auf
- besitzt keine Beschädigungen
- hat eine scharfe Kante
- entfernt Wachs gleichmäßig
Bereits kleine Beschädigungen an der Klinge können Kratzer im Belag verursachen.
Schritt 1: Ski richtig abziehen
Die richtige Technik
Die Ziehklinge wird mit beiden Händen geführt und gleichmäßig von Schaufel bis Skiende bewegt.
Wichtig:
- gleichmäßiger Druck
- lange Züge
- komplette Belagsbreite bearbeiten
Ziel ist es, sämtliches überschüssiges Wachs von der Oberfläche zu entfernen.
Wo wird zuerst abgezogen?
Bewährt hat sich folgende Reihenfolge:
1. Belagsfläche
Zunächst wird die gesamte Lauffläche bearbeitet.
2. Kantenbereich
Anschließend wird Wachs entlang der Stahlkanten entfernt.
3. Strukturkontrolle
Nach dem Abziehen sollte die Belagsstruktur wieder sichtbar sein.
Typische Fehler beim Abziehen
Zu wenig Wachs entfernen
Der häufigste Fehler überhaupt.
Viele Ski fühlen sich unmittelbar nach dem Wachsen schnell an, verlieren jedoch bereits nach wenigen Schwüngen deutlich an Geschwindigkeit.
Stumpfe Ziehklinge
Eine stumpfe Klinge entfernt das Wachs nicht sauber.
Zu hoher Druck
Mehr Druck führt nicht zu besseren Ergebnissen.
Eine saubere Klinge arbeitet durch ihre Schärfe und nicht durch Kraft.
Warum ist Ausbürsten so wichtig?
Nach dem Abziehen befindet sich weiterhin Wachs in den feinen Strukturen des Belags.
Diese Strukturen sind jedoch entscheidend für die Wasserableitung.
Das Ausbürsten sorgt dafür, dass:
- die Struktur freigelegt wird
- überschüssige Wachsreste entfernt werden
- der Belag schneller wird
- die Gleiteigenschaften verbessert werden
Erst jetzt entsteht ein wirklich rennfertiger Ski.
Die richtige Bürstenreihenfolge
Nach dem Abziehen ist der Ski noch nicht fertig. Auch wenn die Belagsoberfläche sauber wirkt, befindet sich weiterhin Wachs in der Struktur. Genau diese Struktur muss freigelegt werden, damit der Ski schnell gleiten kann.
Beim professionellen Ausbürsten wird nicht mit einer einzigen Bürste gearbeitet. Entscheidend ist die richtige Reihenfolge – von der gröberen Reinigung bis zum feinen Finish.
Bürstenarten und ihre Einsatzgebiete
Stahlbürste
Die Stahlbürste wird vor allem zum Reinigen nach dem Skitag oder als erste Bürste nach dem Abziehen bei Speed-Disziplinen wie Super-G oder Abfahrt eingesetzt.
Sie arbeitet aggressiver als andere Bürsten und sollte deshalb kontrolliert verwendet werden.
Einsatzgebiet:
Reinigung nach dem Skitag
erste Bürste nach dem Abziehen bei Speed-Disziplinen
Freilegen stark zugesetzter Strukturen
Bronze- oder Messingbürste
Die Bronze- beziehungsweise Messingbürste ist die erste Wahl nach dem Abziehen, wenn Wachs grob aus der Struktur entfernt werden soll.
Sie ist weniger aggressiv als Stahl, aber effektiv genug, um die Struktur sauber zu öffnen.
Einsatzgebiet:
- erste Bürste nach dem Abziehen
- grobes Entfernen von Wachs aus der Struktur
- Vorbereitung für die feineren Bürsten
Tampico-Bürste
Die Tampico-Bürste besteht aus Naturborsten und wird nach Stahl oder Bronze verwendet.
Sie reinigt die Struktur gründlicher und bereitet den Belag auf die feinere Ausbürstung vor.
Einsatzgebiet:
- Reinigung nach Stahl- oder Bronzebürste
- mittlere Ausbürstung
- Vorbereitung auf Rosshaar
Rosshaarbürste
Die Rosshaarbürste folgt nach Tampico. Sie dient der feinen Ausbürstung und sorgt dafür, dass der Belag gleichmäßiger und sauberer wird.
Einsatzgebiet:
- feine Ausbürstung
- Rennski-Präparation
- Vorbereitung auf das Finish
Nylon weich
Eine weiche Nylonbürste wird als Finish-Bürste eingesetzt. Sie sorgt für ein besonders glattes Belagsbild.
Bei Rennski wird sie gezielt am Ende verwendet, um den letzten Schliff zu erzeugen.
Einsatzgebiet:
- Finish
- glattes Belagsbild
- Rennski-Präparation
Microstahl
Microstahl ist eine spezielle Finish-Bürste für bestimmte Race-Finish-Wachse.
Diese Bürste ist kein Standardwerkzeug für jede Präparation, sondern wird gezielt bei bestimmten Finish-Anwendungen eingesetzt.
Einsatzgebiet:
- spezielle Race-Finish-Wachse
- Rennservice
- ausgewählte Finish-Schritte
Merinobürste
Die Merinobürste wird zum Abschluss verwendet, um statische Aufladung nach Nylon-Bürsten zu reduzieren.
Wichtig: Die Merinorolle sollte vor jeder Benutzung einmal mit einer Abziehklinge gereinigt werden, damit keine Fussel auf dem Ski zurückbleiben.
Einsatzgebiet:
- Abschluss der Präparation
- Reduzierung statischer Aufladung
- sauberes Finish nach Nylon
Handbürsten oder Rotorbürsten?
Beide Varianten haben ihre Berechtigung.
Rotorbürsten
Rotorbürsten sparen Kraft, liefern gleichmäßige Ergebnisse und sind deutlich schneller. Sie eignen sich besonders für Tampico, Rosshaar, Nylon und Merino.
Wichtig ist, dass Rotorbürsten immer in der gleichen Arbeitsrichtung verwendet werden. Am besten markierst Du die Laufrichtung direkt auf der Bürste.
Handbürsten
Handbürsten eignen sich besonders gut für Stahl- und Bronzebürsten. Rotorvarianten können hier zu aggressiv sein, besonders wenn zu viel Druck entsteht.
Bei Handbürsten gilt: immer von der Schaufel zum Skiende arbeiten.
Ablauf des Ausbürstens
Die folgende Reihenfolge entspricht einer professionellen Rennski-Präparation:
1. Stahl- oder Bronze-Handbürste
Arbeite mit 2 bis 3 Pässen von der Schaufel bis zum Skiende.
Diese Bürste entfernt grobe Wachsreste aus der Struktur und öffnet den Belag für die nächsten Schritte.
Empfehlung:
- Stahl bei Speed-Disziplinen oder stärker zugesetzter Struktur
- Bronze/Messing als Standard nach dem Abziehen
2. Tampico-Rotorbürste
Die Tampico-Rotorbürste wird im Ablauf:
vor – zurück – vor
eingesetzt.
Dabei arbeitest Du in beide Richtungen, um die Struktur gründlich zu reinigen und Wachsreste weiter zu lösen.
3. Rosshaar-Rotorbürste
Die Rosshaar-Rotorbürste wird ebenfalls in beide Richtungen eingesetzt.
Zum Abschluss erfolgt ein letzter Durchgang von vorne nach hinten, also von der Schaufel bis zum Skiende.
So wird die Struktur feiner ausgearbeitet und das Finish vorbereite
4. Weiche Nylonbürste
Die weiche Nylonbürste wird nur bei Rennski eingesetzt.
Arbeite mit 1 bis 3 Pässen. Der letzte Schliff erfolgt immer von vorne nach hinten.
Dadurch entsteht ein besonders glattes Belagsbild.
5. Merinobürste
Zum Abschluss wird die Merinobürste eingesetzt, um statische Aufladung zu reduzieren.
Vor jeder Benutzung sollte die Merinorolle einmal mit einer Abziehklinge gereinigt werden, damit keine Fussel auf dem Ski zurückbleiben.
Warum diese Reihenfolge wichtig ist
Die Bürstenreihenfolge folgt einem klaren Prinzip:
Zuerst wird grob geöffnet, dann gereinigt, danach verfeinert und zum Schluss das Finish stabilisiert.
Eine zu weiche Bürste am Anfang entfernt nicht genug Wachs aus der Struktur. Eine zu aggressive Bürste am Ende kann das Finish wieder verschlechtern.
Deshalb ist die Reihenfolge entscheidend:
- Stahl oder Bronze
- Tampico
- Rosshaar
- Nylon weich
- Merino
Häufige Fehler beim Ausbürsten
Nur mit Nylon arbeiten
Eine Nylonbürste allein reicht für eine vollständige Rennski-Präparation nicht aus. Sie eignet sich vor allem für das Finish.
Zu wenig bürsten
Wenn noch Wachs in der Struktur bleibt, kann der Ski nicht frei gleiten.
Stahl oder Bronze zu aggressiv einsetzen
Gerade bei Stahl- und Bronzebürsten ist kontrolliertes Arbeiten wichtig. Deshalb sind Handbürsten hier oft die bessere Wahl.
Rotorbürsten ohne Laufrichtung verwenden
Rotorbürsten sollten immer in derselben Arbeitsrichtung verwendet werden. Markiere die Bürste daher klar.
Merino nicht reinigen
Wenn die Merinorolle nicht vor der Nutzung gereinigt wird, können Fussel auf dem Ski zurückbleiben.
Fazit: Erst die richtige Bürstenreihenfolge macht den Ski schnell
Ein korrekt gewachster Ski wird erst durch das richtige Abziehen und Ausbürsten wirklich schnell. Die Struktur muss sauber freigelegt werden, ohne das Finish zu zerstören.
Für eine professionelle Rennski-Präparation arbeitest Du systematisch von grob nach fein:
Stahl oder Bronze, Tampico, Rosshaar, weiches Nylon und Merino.
So entsteht ein sauberer, schneller Belag mit optimaler Struktur und perfektem Finish.
FAQ
Häufige Fragen zum Abziehen und ausbürsten
Ja. Überschüssiges Wachs sollte immer entfernt werden.
Eine hochwertige Messing und Rosshaarbürste reicht für die meisten Anwendungen aus.
Für regelmäßigen Service, mehrere Ski oder Rennpräparationen
Weil eine perfekt freigelegte Struktur die Geschwindigkeit erhöht.
Die Struktur bleibt teilweise verschlossen und der Ski gleitet schlechter.
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